-Urgrund wahrer Menschlichkeit-
Jenseits psychisch konditionierter Identität
Objektiv betrachtet befindet sich die Menschheit seit einiger Zeit in einem katastrophalen Zustand. Technisch-materiell scheint die menschliche Zivilisation auf ihrem Höhepunkt, geistig-moralisch jedoch ist ein Tiefpunkt erreicht. Da die „zivilisierte Gesellschaft“ ohne geistig-moralische Grundlage errichtet wurde, wird sie sich ab einem gewissen Grad selbst zerstören. Bisher konnte der Niedergang mittels eines Regime- bzw. Ideologiewechsels noch hinausgezögert werden. Inzwischen jedoch sind die Grenzen des „Fortschritts“ erreicht. Ein Wechsel wie bisher - innerhalb dieser Strukturen- ist kaum mehr möglich. Einzig eine radikale Revolution des Bewußtseins, jenseits von „Ideologie“ schafft die nötige Grundlage, um das Fortbestehen der Menschheit zu gewähren. Die menschliche Zivilisation steht mittlerweile am Rande einer globalen Wende. Dies birgt vielleicht erstmals die Möglichkeit einer völlig neuen Bewußtseinskultur.
Auf den ersten Blick ist die derzeitige Degeneration eine Folge der Überzivilisation bzw. Unterdrückung der Menschlichkeit. Ständig wurde der technisch-materielle „Fortschritt“ in den Mittelpunkt gestellt, der „menschliche“ Aspekt hingegen völlig unterdrückt und mißachtet. Infolgedessen sind wesentliche Grundstrukturen des Bewußtseins degeneriert, was sich in Form sich unterschiedlich äußernder psychischer Störungen manifestiert. Wird nun davon ausgegangen daß - unter Voraussetzung „psychischer Gesundheit“- im Menschen eine geistig-moralische Grundordnung existiert, wäre scheinbar jeder persönliche und gesellschaftliche Konflikt bzw. jedes „Problem“ auf psychische Störungen zurückführen. Aus diesem Blickwinkel erscheint die Psyche bzw. der „psychische Zustand“ als die Quelle jener Degeneration, was nun „psychologisch“ analysiert und entsprechend „therapiert“ werden sollte. Die wahre Ursache liegt jedoch auf einer tieferen Ebene jenseits der Psyche. Wäre die Psyche die zentrale Struktur des Bewußtseins, käme dies einer geistigen Versklavung gleich. Im Grunde sind Emotionen, Gedanken sowie das daraus resultierende Verhalten nichts weiter als reaktioneller Ausdruck psychischer Reize bzw. Konditionierungen. Folglich bestimmen äußere Einflüsse Wahr-Nehmung und Verhalten, womit weder ein freier Wille noch die Möglichkeit der Erfahrung „wahrer Realität“ existiert, da alles über individuelle Konditionierungen wahr-genommen wird. Das durch äußere Einflüsse manipulierte, konditionierte und somit psychisch verzerrte „Bewußtsein“ reduziert den Menschen zum Sklaven äußerer Reize. Einer psychisch konditionierten Identität fehlt die innere Tiefe, Wahrheit und Unabhängigkeit um als Fundament für eine Bewußtseinskultur der Menschlichkeit zu dienen. Auf dieser -von der Psyche dominierten- Bewußtseinsebene muß eine Gesellschaft letztlich geistig unterdrückt und kontrolliert werden, um eine gewiße Ordnungsstruktur zu gewährleisten. Es sei denn die „psychische Identität“ ist Folge einer kollektiven Bewußtseinsstörung und unterdrückt den wahren Wesenskern, jenseits der Psyche.
Jeder bisherigen Gesellschaftsform bzw. Staatsform lag eine Ideologie zugrunde. Ein künstliches, auf gedanklichen Vorstellungen beruhendes Konzept einer Gesellschaftsordnung. Auf Ideologiedenken basierende „Staatssysteme“ sind reine Verstandeskonstrukte und unterliegen psychischen Strukturen. Jede Art organisierte Gemeinschaft, welche auf künstlichen, psychischen Konzepten basiert wir früher oder später in sich zusammenbrechen. Da die Psyche äußeren Einflüssen unterworfen ist und letztlich auf einer Störung bzw. einer Einbildung basiert, kann eine darauf gründende Gesellschaft nicht von dauerhaftem Bestand sein. Die Annahme, die Psyche sei die Grundstruktur des Bewußtseins, ist der zentrale Irrtum.
Angesichts der offensichtlich perfekten Ordnung und Harmonie in Natur und Kosmos kann davon ausgegangen werden, daß auch die Natur des Menschen grundsätzlich friedlich ist. Nachdem das Weltgeschehen jedoch alles andere als friedlich erscheint, muß etwas das wahre natürliche Wesen überdecken. Die wahre Identität bzw. der wahre Wesenskern muß unabhängig von äußeren Einflüssen von Natur aus harmonisch und friedlich sein. Ansonsten wäre die menschliche Rasse scheinbar ein Fehler der Schöpfung. Allgemein gilt die Persönlichkeit eines Menschen als das „Selbst“ durch welches er sich als „ich“ definiert. Die Persönlichkeit ist jedoch äußeren Einflüssen unterworfen und nicht unveränderlich existent. Sie ist eine Ansammlung aus Erfahrungen, entsprechend geprägt durch die individuelle Lebensgeschichte, so wie Erziehung, Bildung und Kultur... letztlich nur existent in Form von Gedanken und Emotionen. Ein gedankliches Konstrukt aus Konditionierungen kann nicht als konstanter Wesenskern bezeichnet werden. Gedanken und Emotionen sind vorübergehende, sich stetig wandelnde, von äußeren Einflüssen dominierte Erscheinungen und nicht das wahre Selbst. Somit ist auch ein freier Wille faktisch nicht möglich, zumal die für eine Entscheidung verantwortlichen psychischen Faktoren äußeren Einflüssen unterliegen, keine Kontrolle über deren Erscheinen besteht und die „Person“ an sich reine Illusion ist.
Die ständige Aktivität des Geistes und die damit verbundene Identifikation ist eindeutig eine Funktionsstörung und überdeckt den wahren Wesenskern. Die Dominanz des Geistes schafft eine durch den Filter der Psyche begrenzte individuelle Realität. Aufgrund persönlicher Konditionierungen wird die Wahrnehmung der „Realität“ entsprechend interpretiert, womit sie nur eingeschränkt erfahren werden kann. Allem voran steht ein Gedanke, jedem Wort und jeder Handlung geht ein Gedanke voraus. Die gesamte vom Menschen geschaffene Zivilisation ist das Produkt von Gedanken. Da jeder mit der Psyche identifizierte Mensch individuell konditioniert ist, sind seine Gedanken nicht frei sondern entsprechend seiner Geschichte und Erfahrungen geprägt bzw. ausgerichtet. Somit gründet jede Handlung auf der Illusion einer individuellen Verstandesideologie bzw. einer fiktiven Vorstellung von „ich“. Die Zivilisation ist das Produkt einer psychischen Illusion. Gedanken entspringen nicht dem wahren Wesenskern sondern einer -fälschlicherweise für das „Ich“ gehaltenen- mentalen Einbildung, welche allgemein als Persönlichkeit bezeichnet wird. Die wahre „Identität“ verbirgt sich unter dem oberflächlichen psychischen Schleier.
In Identifikation mit dem Verstand richtet sich die Aufmerksamkeit ständig auf Zukunft oder Vergangenheit. Da das illusionäre Selbst in Form von Gedanken im gegenwärtigen Moment nicht existieren kann, fühlt es sich permanent unterbewußt von der Gegenwart bedroht und flüchtet in Vergangenheit und Zukunft. Dies erzeugt eine begrenzte Wahrnehmung bzw. beschränkt den Geist auf eigen konstruierte Verstandeskonstrukte. Zukunft wie Vergangenheit sind einzig in Form von Gedanken existierende, rein illusionäre Phänomene. Ist das Bewußtsein vollkommen auf den gegenwärtigen Moment gerichtet bleibt kein Raum für Gedanken und die damit verbundene „persönliche Geschichte“ aus welcher das Fiktive selbst Identität bezieht. Alles was geschah und jemals geschehen wird, geschieht in der Gegenwart. Der gegenwärtige Moment ist das einzig Reale. Alles andere sind künstliche vom Verstand produzierte Vorstellungen und Konzepte ohne Bezug zur Realität. Die Realität des Lebens findet immer im gegenwärtigen Augenblick statt. Jedoch flüchtet der völlig überpolarisierte permanent aktive Geist vor dieser Wahrheit in künstliche Konstrukte aus Vergangenheit und Zukunft. Dies erzeugt, infolge der Identifikation, eine scheinbare Trennung des Bewußtseins vom Leben selbst. Der Verstand ist ein Werkzeug des Menschen, nicht der Mensch ein Werkzeug des Verstandes. Gerade bei alltäglichen vermeintlich banalen Situationen bzw. Handlungen sind die Gedanken oftmals einen Schritt voraus auf die Zukunft gerichtet und nicht vollkommen auf den gegenwärtigen Moment.
Folge dieser Bewußtseinsstörung und der damit verbundenen Oberflächlichkeit, ist eine -wenn auch zeitweise von äußeren Reizen unterdrückte- im Hintergrund herrschende latente Unzufriedenheit und innere Leere. Hervorgerufen durch die scheinbare Getrenntheit vom wahren Wesenskern bzw. der natürlichen kosmischen Grundordnung. Dies erzeugt eine tiefe Sehnsucht nach innerem Frieden. Da in Identifikation mit der Psyche durch äußere Umstände entsprechend positive oder negative Emotionen entstehen, glaubt das psychische „Selbst“, aufgrund dieser Erfahrung, in Zukunft auf diese Weise inneren Frieden zu finden. Emotionen sind jedoch vorübergehende oberflächliche Erscheinungen ohne dauerhaften Bestand. Ab einem gewissen Grad der „Entwicklung“ führt die unvermeidlich erfolglose Suche im Außen schließlich zur Erkenntnis, daß äußere Umstände zu keinem dauerhaftem Frieden führen, was meist mit tiefem Leid verbunden ist. Dies wiederum kann das „persönliche Ich“ derart erschüttern, daß es reif wird, die für das Leid verantwortliche Persönlichkeit aufzugeben, um somit in eine Dimension zu gelangen in welcher, ein von äußeren Umständen völlig unabhängiger, dauerhafter Friede herrscht. Dieser „Zustand“ des Friedens ist die wahre Natur des Menschen, welche durch Identifikation mit einer sog. „Person“ lediglich überdeckt wird. Die stetige Sehnsucht nach innerem Frieden wird erst in Erfahrung des wahren Wesens, jenseits des Schleiers der Persönlichkeit vollständig erlöschen.
Identifikation mit dem Geist erzeugt zwangsläufig sog. „persönliche Probleme“, was letztlich Probleme der Person sind und daher reine Einbildungen des Verstandes. Grundsätzlich ist das Phänomen „Verstand“ bereits eine Form von Ideologie. Das Gehirn bzw. die Gehirnfunktion des Denkens ist ein nützliches Werkzeug, um sich in der Welt zurecht zu finden. Die Person hingegen ist ein aus der Identifikation mit dieser Funktion entstandenes, vom „Verstand“ produziertes, künstliches Konzept. Probleme in Form von negativen Situationen sind lediglich im Vorfeld durch Gedanken und dementsprechend hervorgerufenen Emotionen vermeintlich problematisch. Ohne Beurteilung des Verstandes ist die Situation an sich neutral, weder negativ noch positiv. Einzig der beurteilende Verstand konstruiert sich ein irreales Konzept von „Problem“, um die Illusion einer Person zu stärken bzw. die Todesangst des fiktiven „Ich´s“ zu unterdrücken. Alles geschieht ausschließlich im gegenwärtigem Moment. Allein die Identifikation mit einem auf Zukunft und Vergangenheit ausgerichteten sog. Verstand läßt vermeintliche Probleme entstehen.
Grundlegend ist die Identifikation mit der Psyche, bzw. der sich daraus bildenden „Person“ die zentrale Kern-Ursache jeglicher Form von Negativität. Es scheint als müsse zunächst die Ebene der Illusion erfahren werden um schließlich über die begrenzte Realität hinaus wieder zum Ursprünglichen, Absoluten zu gelangen. Jene Transformation des begrenzten persönlichen Individuums zur tieferen Dimension des reinen Bewußtseins offenbart die wahre Identität des ewigen, bedingungslosen Friedens. Die Erfahrung dieser tieferen inneren Wahrheit bildet die ursprüngliche Grundlage der Entstehung jeder religiösen Bewegung. Das konsequente Ergründen des wahren „Selbst“ offenbart den tieferen Wesenskern, den Urgrund wahrer Menschlichkeit.
|